Welches sind für mich die richtigen Nordic Walking Stöcke?

Hunderte von Teilnehmern, die unsere Nordic Walking Kurse besucht haben, gaben ihre Erfahrungen an uns weiter. Zusammen mit unseren persönlichen Erfahrungen haben wir folgende Empfehlungen zusammengestellt.


1. Die optimale Stocklänge

2. Das richtige Stockmaterial

3. Das optimale Schlaufensystem

4. Qualität von Spitze und Rohr

5. Teleskop-Stöcke

6. Preise

7. Unser Tipp

8. Was noch fehlt: Asphalt Pads

9. Nordic-Walking-Schuhe

10. Bekleidung

1. Die optimale Stocklänge

Nordic Walking Stöcke werden in Längen von 100 bis 140 cm, in 5 cm - Stufen angeboten. Die optimale Stocklänge errechnet man üblicherweise mit Hilfe der Formel: Körpergröße in cm x 0,66 (früher 0,68 und 0,7). Das Berechnungsergebnis muss nur noch auf- oder abgerundet werden und kann nur ein Anhaltswert sein. Wenn das Ergebnis genau zwischen zwei Stocklängen liegt, empfehlen wir auf die niedrigere Stocklänge abzurunden, da dies die Ausführung der optimalen Technik erleichtert. Beispiel: Eine 165 cm großer Frau sollte somit einen 110 cm Stock verwenden. Die Wahl der Stocklänge sollte jedoch nicht ausschließlich von dem og. Berechnungsergebnis abhängig gemacht werden. Leider mussten wir feststellen, dass die Hersteller offensichtlich nicht alle den gleichen Massstab benutzen und die tatsächlichen Längen bis zu 3 cm von den angegebenen Stocklängen abweichen. 3 cm kürzer oder 3 cm länger ist mehr als der Schritt zwischen zwei Stocklängen eines Herstellers. Wichtig für die Stocklänge ist auch der rechte Winkel zwischen Ober- und Unterarm.


2. Das richtige Stockmaterial

Nordic Walking Stöcke bestehen entweder aus Aluminium oder aus einem Materialmix von Glasfiber mit einem Carbonanteil oder zu 100 % aus Carbon. Eine Aussage über die Qualität des Stockes kann aus der Materialverwendung nicht unbedingt getroffen werden. Für Größen von 100 bis 110 cm können die preisgünstigen, reinen Alustöcke empfohlen werden. Ab einer Länge von 115 cm oder bei übergewichtigen Nordic Walkern zeigt die Erfahrung, dass Stöcke mit Carbonanteil diesen größeren Belastungen entscheidend besser gewachsen sind. Deshalb empfehlen wir unter diesen Umständen unbedingt Stöcke mit Carbonanteil zu verwenden. Diese Stöcke haben ein angenehmeres Schwingungsverhalten und haben sich mittlerweile am Markt durchgesetzt. Vibrationen, die beim Aufsetzen der Stöcke auf harten Untergründen entstehen und Hand- und Ellenbogengelenke reizen können, sind bei Faserverbundstöcken nicht so stark ausgeprägt und sind daher gesundheitsschonender.

Wanderstöcke sind für den Nordic-Walking-Sport absolut ungeeignet.


3. Das optimale Schlaufensystem

Die Armkraft sollte immer über die Stockschlaufen auf die Stöcke übertragen werden, nicht über umklammerte Griffe! Die Hersteller von Nordic Walker Stöcken haben deswegen spezielle Handschlaufen entwickelt, bei denen auch eine stundenlange Benutzung ermüdungsfrei möglich ist, da bei diesen Schlaufen der Stock nicht ständig umklammert werden muss. Die Stöcke werden beim Vorschwingen der Arme fast automatisch wieder in die richtige Position gebracht. Der Druck auf die Hand wird gleichmäßig verteilt. Damit wird die Blutzirkulation in der Hand nicht beeinträchtigt.

Die besten Schlaufensysteme stellt nach unseren Erfahrungen die Fa. Salomon her und werden z.B. von Swix und Fizan eingesetzt. Sie ergeben einen sehr guten Halt. Auch die Kraftübertragung ist optimal. Es gibt teilweise unterschiedliche Schlaufen für schmale und breite Hände/Handgelenke.
Das System von Exel zeigt in der Praxis Nachteile auf, da unsere Kursteilnehmer wesentlich schlechter mit diesem Schlaufensystem zurecht kamen. Das von der Fa. Leki verwendete Schlaufensystem gefällt uns zwar auch sehr gut, erscheint jedoch für den harten Einsatz im Gelände als etwas zu "zierlich".

Der Stockgriff sollte aus griffigen, schweißhemmenden bzw. schweißabsorbierenden Materialien bestehen und über eine ausreichend große Prallfläche am Griffansatz verfügen, insbesondere beim Einsatz auf unbefestigten Wegen. Ein rutschiger, glitschiger Griff ist nicht nur unangenehm zu halten, er muss auch mit erhöhten Kraftaufwand fixiert werden, damit die Hände nicht abrutschen.
Wir empfehlen daher Kork- oder 2-Komponenten-Korksoftgriffe.

4. Qualität von Spitze und Rohr

Alle von uns getesteten einrohrige Nordic Walking Stöcke (also keine Telekopstöcke) wussten von der Qualität her zu gefallen. Lediglich reine Alu-Stöcke ab einer Länge von 115 cm wurden bei Kraftübungen teilweise verbogen. Im Einsatz auf weichen Untergründen (Schnee, Sandstrand usw.) ist der Einsatz von gut passenden Schneetellern angebracht - auf den exakten Durchmesser achten.

Die Spitzen der Stöcke werden dem Einstechwinkel angepaßt. Damit ist eine gute Haftung auf den meisten Bodenoberflächen gewährleistet. Der Unterschied (auch preislich) liegt in der Qualität des verwendeten Hartmetalls. Sehr hochwertige Spitzen weisen auch nach längerer Benutzung auf harten Böden kaum sichtbare Gebrauchsspuren auf.


5. Teleskop-Stöcke

Dem Einsatz von Stöcken mit verstellbarer Länge stehen wir äußerst kritisch gegenüber, da wir der Überzeugung sind, dass diese Stöcke schon aus technisch bedingten Gründen nicht mit "aus einem Stück" bestehenden Stöcken mithalten können. Erfahrungen der Kursteilnehmer und eigene Erfahrungen bestätigten eindeutig die Nachteile von Teleskopstöcken.

Es stellt sich die Frage, in wie weit sich die Vorteile der flexiblen Größe, vor allem bei regelmäßigem Gebrauch, auszahlen. Die Stöcke können, da sie aus zwei Rohren bestehen, nicht die gleiche Steifheit und Festigkeit der "Ein-Rohr-Stöcke" aufweisen. Es ist zu beachten, dass plötzlich zusammenrutschende Teleskoptöcke gerade im steilen Gelände beim bergab gehen zu schweren Stürzen führen können!

6. Preise

Nordic Walking Stöcke von Swix liegen standardmäßig bei ca. ca 90 Euro je Paar (Swix CT 4: 30-40% Carbon & 70-60% Glasfiber). Der Swix CT2 mit 100 % Carbonanteil liegt bei ca. 110 Euro UVP. Die vergleichbaren Modelle der Fa. Exel, kosten ca. 10% mehr. (Stand April 2007)

7. Unser Tipp

Unter Berücksichtigung aller Aspekte (Griff-/Schlaufensystem, Qualität von Stock und Spitze, Preis) ist unser Favorit der Nordic Walking Stock "CT4" von Swix. Dieser liegt mit einem Standardpreis von ca. 90 Euro je Paar im mittleren Preissegment und bietet bei einem Carbonanteil von 30%, auch für den täglichen Einsatz, optimale Stockeigenschaften. Zudem wurden die "Laufeigenschaften" dieser Stöcke ( z. B. Dämpfung) als wesentlich angenehmer empfunden als bei Alu-Stöcken. Die Anschaffung von Stöcken mit noch höherem Carbonanteil ist für den normalen Einsatz nicht erforderlich. Fragen Sie vor dem Kauf, ob die Schlaufen, Griffe und Spitzen ausgetauscht werden können, dies ist bei vielen Billigangeboten nicht der Fall. Insbesondere die Stahlspitzen verschließen je nach Untergrund (auch auf nicht asphaltierten Waldwegen) mitunter sehr rasch.

8. Was noch fehlt: Asphalt Pads

Für den Einsatz der Stöcke auf sehr hartem Untergrund wie z.B. Asphalt, sind unbedingt Asphalt Pads zu benutzen, da diese nicht nur die Spitzen der Stöcke schonen, sondern ein "Abrutschen" auf hartem Boden vermeiden und für eine optimale Dämpfung sorgen. Darüber hinaus ist die Geräuschkulisse von Stahlspitzen auf Asphalt unerträglich. Die von einigen Herstellern standardmäßig mitgelieferten Schutzgummikappen sind hierfür nicht ausreichend.

9. Nordic-Walking-Schuhe

Im Winter oder an Regentagen ist wasserabweisendes Material der Schuhe nützlich. Der Schuh sollte einen stabilen Leisten haben, damit eine saubere Fußführung und Abrollbewegung gewährleistet ist.
Wir empfehlen zur besseren Unterstützung des Fuß-Gewölbes und für einen optimalen Halt, einen speziellen Nordic-Walking-Schuh mit Fußbett oder mit individuell angepasster Einlegesohle.
Im gutsortierten Fachhandel verschiedene Modelle ausprobieren.
Normale Schuhe, Sport- oder Turnschuhe entsprechen nicht den Anforderungen.

10. Bekleidung

Nordic-Walking ist mitunter sehr schweisstreibend, daher ist eine leichte, bequeme, schweißdurchlässige, schnelltrocknendes, elastische und ggfls. wasserdichte Bekleidung angebracht (Funktionsmaterial). Diese gibt es im Fachhandel oder als Aktionsware beim Discounter.
Tip: Shirts und Jacken für Radfahrer haben auf dem Rücken Taschen, in denen Trinkflaschen, Asphaltpads, Energieriegel usw. verstaut werden können.


Mai 2007

Bernd Frenken

Grenzland-Nordic-Walking